ph wert kaffee

pH-Wert von Kaffee: Alles über die Säure im Kaffee

Lea Burger
Kaffeeexperte & Barista

In diesem Guide bekommst du eine klare Einführung zur chemischen Säure im Getränk und zu ihrer sensorischen Wahrnehmung.

Typisch liegt der pH bei etwa 5, also mild sauer. Zum Vergleich: Weißbier ist um 4, Cola bei 2–3. Die Skala reicht von 0 (stark sauer) bis 14 (stark basisch) und ist logarithmisch. Das heißt: ein Punkt Unterschied bedeutet eine zehnfache Änderung der Säure.

Sensorische Säure ist nicht gleich chemischer Messwert. Die erste beschreibt Frische und fruchtige Noten, die zweite misst H+-Ionen im Getränk.

Warum das wichtig für deine Zubereitung ist: Die Qualität des Wassers beeinflusst die Extraktion stark. Die SCA empfiehlt für Brühwasser pH 6–8, ideal 7.

Im weiteren Verlauf lernst du, wie man misst, welche Stellschrauben (Bohne, Röstgrad, wasser, Rezept) den Säureeindruck verändern und welche Messgeräte sich lohnen.

Grundlagen: pH-Wert, sensorische Säure und wie du sie im Kaffee auseinanderhältst

Wer die Säure seines Kaffees verstehen will, trennt Messwert und Geschmack. Zuerst ein kurzer Blick auf die Skala: 0–14, unter 7 sauer, über 7 basisch, genau 7 neutral.

Wichtig zu wissen: Ein Schritt auf der Skala entspricht einer zehnfachen Änderung der Säure. Kleine Unterschiede können chemisch groß wirken.

Sensorische Säure beschreibt Frische, Beeren- oder Zitrusnoten. Das ist nicht dasselbe wie der gemessene pH‑Wert. Zwei gleiche Messwerte können sehr unterschiedlich schmecken, weil verschiedene organische Säuren anders wirken.

Vergleichswerte helfen bei der Einordnung:

Getränk Circa pH Geschmacks-Eindruck
Kaffee ~5 mild sauer bis frisch
Weißbier ~4 deutlicher Säurerahmen
Cola 2–3 stark sauer

Die SCA empfiehlt Brühwasser nahe pH 7 (6–8). Nutze neutrales wasser, damit die Säuren des Kaffees nicht unnötig überbetont oder neutralisiert werden.

  • Prüfe zuerst die Qualität des wassers, dann Rezept und Bohnen.
  • Mineralien und Pufferung des wassers steuern Extraktion von Säuren, Süße und Bitterkeit.
  • Ein „saurer“ Schluck ist oft ein Extraktionsproblem, nicht automatisch ein Bohnenfehler.

sensorische säure

ph wert kaffee entlang der Wertschöpfungskette: Was die Säure wirklich prägt

Vom Anbau bis zur Tasse entscheidet jede Produktionsstufe, wie lebendig und ausgewogen die Säure ausfällt.

Anbau & Klima

Höhenlagen und Schattenanbau verlangsamen die Reife. Langsameres Reifen fördert Proteine, Fette, Zucker und organische Säuren in der Bohne.

Das Ergebnis ist ein komplexeres, oft fruchtigeres Profil mit klareren Säuren.

Varietäten & Arten

Arabica zeigt in der Regel feinere, fruchtige Säuren. Robusta hat zwar mehr Gesamt‑Säure, wirkt aber oft sensorisch weniger lebendig.

Die Wahl der Art und Varietät bestimmt daher stark die Ausgangscharakteristik.

Aufbereitung

Gewaschene Aufbereitung betont Klarheit und Säure. Natural erhöht Süße und Balance.

Fermentative Verfahren können Säuren neu akzentuieren oder ergänzen und so das Profil deines kaffees verändern.

Röstung

Beim Rösten bauen sich viele Chlorogensäuren ab. Ihre Abbauprodukte, etwa Lactone, bringen Bitterkeit.

Helle Röstungen bewahren Fruchtigkeit; dunkle reduzierten Säureempfindungen, erhöhen aber Bitterkeit.

Zubereitung

Härteres Wasser und höhere Temperatur mindern wahrnehmbare Säure. Längere Extraktion zieht mehr Komponenten.

Espresso schmeckt konzentrierter (≈90% Wasser) als Filter (≈98% Wasser), deshalb erscheinen Säuren dort kompakter.

Säureprofil Kaffee

„Rohkaffee, Röstung und Rezept sind eine Kette; nur gemeinsam liefern sie das gewünschte Säure‑Süße‑Bitter‑Balanceziel.“

Wasser, Messung und Optimierung: So steuerst du den pH im Kaffee in der Praxis

Die Wahl des Wassers entscheidet oft, ob dein Getränk frisch oder flach wirkt. Du startest mit Bohnen, die von Natur aus leicht sauer sind (ca. 4,8–5,1). Auf dieses Ausgangsprofil wirkt dann die Art des Wassers direkt ein.

Art des Wassers

Saures wasser macht die fertige Tasse spürbar lebendiger. Nutze leicht basisches wasser, wenn du eine mildere, runder wirkende Tasse willst.

Merke: Härteres wasser reduziert wahrnehmbare Säure; weiches Wasser betont Fruchtigkeit.

pH und Extraktion: Rolle von Wasserhärte, TDS/Brix

Wasserhärte, Alkalinität und Pufferung steuern, wie viel Säuren, Süße und Bitterstoffe extrahiert werden. Miss TDS oder Brix, um Konzentration und Extraktion zu bewerten.

Mit diesen Daten passt du Rezept, Mahlgrad und Extraktionszeit gezielt an — statt nur nach Gefühl.

Messgeräte im Einsatz

pH‑Messung: Das ATAGO PAL‑pH Plus bietet einen flachen Probentisch, langlebige Elektrode, kleine Probenmenge und keinen KCL‑Wechsel. Klassische Dip‑Meter sind empfindlicher, schwerer zu reinigen und verlangen KCL‑Wartung.

Refraktometer: PAL‑COFFEE (BX) misst Brix%, (TDS) misst TDS% und (BX|TDS) kombiniert beides mit 0,01 Auflösung und NFC‑Datenlogging.

wasser messgeräte

  • Beginne mit Messung von Brühwasser und Getränk.
  • Nutze PAL‑pH Plus für sauberen Workflow, vermeide Dip‑Mängel.
  • Kombiniere pH, TDS und Brix für evidenzbasierte Rezeptanpassungen.

„Arbeite innerhalb der SCA‑Leitplanken (pH 6–8, ideal 7) und justiere Mineralien gezielt für konstante Ergebnisse.“

Gesundheit und Verträglichkeit: pH, PRAL und was dein Magen wirklich spürt

Der Einfluss von Kaffee auf deinen Körper ist oft komplexer als die einfache Idee von „Übersäuerung“. Systemisch wirkt das Getränk nicht säurebildend. Mit einem PRAL von etwa -1,4 zählt es leicht zu den basenbildenden Lebensmitteln.

Wichtig für dich: Lokal kann Kaffee die Salzsäureproduktion anregen. Bei hohem Konsum oder zusätzlichen Triggern wie Nikotin, Alkohol oder bestimmten Medikamenten steigen Risiko für Gastritis oder Reflux.

Eine große japanische Studie mit über 8.000 Teilnehmenden fand keinen klaren Zusammenhang zwischen Kaffee und Schleimhautschäden. Das gibt dir Einordnung und etwas Gelassenheit.

Röstgrad spielt eine Rolle. Dunklere Profile enthalten tendenziell weniger freie organische Säuren und sind für empfindliche Mägen oft bekömmlicher. Moderne Röstverfahren zielen gezielt auf geringere Reflux‑Risiken ab.

Teste praktische Stellschrauben: höhere Brühtemperatur, härteres wassers oder längere Brühzeit mildern wahrnehmbare Säure. Passe Portionen und Trinkzeit (z. B. nach dem Essen) an, und notiere, welche kaffees und Röstungen dir guttut.

verträglichkeit kaffee

„Trenne die systemische Wirkung von lokalen Magenreaktionen und finde so eine individuelle, magenfreundliche Routine.“

Mehr zur basischen Ernährung und wie sie deinen Alltag ergänzt findest du unter basische Ernährung.

Fazit

, Das Ziel ist eine ausgewogene Tasse, die sowohl lebendig als auch verträglich ist.

Sensorische Säure und der gemessene pH sind unterschiedliche, aber verknüpfte Stellschrauben. Wasserchemie, Bohnenwahl, Aufbereitung, Röstung und Rezept formen das Säurebild.

Starte mit gutem Brühwasser (pH 6–8, ideal 7). Nutze Messgeräte wie pH‑Meter und Refraktometer, um Rezepte datenbasiert zu optimieren.

Systemisch ist das Getränk nicht säurebildend (PRAL ≈ -1,4). Lokal im Magen kann es jedoch wirken. Passe Menge, Röstgrad und Zeitpunkt an, bis dein persönlicher Sweet Spot erreicht ist.

FAQ

Was bedeutet der pH-Wert bei Kaffee und wie unterscheidet er sich von sensorischer Säure?

Der pH-Wert misst die chemische Säure oder Basizität einer Lösung auf einer Skala von 0–14. Sensorische Säure beschreibt dagegen die geschmackliche Wahrnehmung von Frische, Lebendigkeit oder Fruchtigkeit in deiner Tasse. Ein Kaffee kann relativ neutral im pH sein, aber trotzdem eine ausgeprägte, angenehme Säure im Geschmack zeigen.

Welcher pH-Bereich ist typisch für Kaffee und wie verhält sich das im Vergleich zu anderen Getränken?

Typische Werte liegen um 4–5. Zum Vergleich: bestimmte Biere sind oft leicht saurer, Softdrinks deutlich saurer. Diese Vergleichswerte helfen dir, die chemische Säure einzuordnen, aber sie sagen nichts über das Aromaprofil.

Wie beeinflusst das Wasser den Säurecharakter deines Kaffees?

Wasserqualität formt das Extraktionsergebnis. Neutral bis leicht basisches Wasser (etwa um 7, SCA empfiehlt 6–8) unterstützt ausgeglichene Extraktion. Hartes oder basisches Wasser mildert die wahrgenommene Säure, sehr weiches oder saures Wasser kann Fruchtnoten stärker hervorheben.

Welche Rolle spielt die Herkunft und Aufbereitung der Bohnen für die Säure?

Klima, Höhenlage und Sorte prägen die Säurebildung: langsames Reifen in höheren Lagen fördert Säure und komplexe Zucker. Aufbereitungsverfahren wie gewaschen oder natural betonen Säuren unterschiedlich; Fermentation kann neue, lebhafte Noten hinzufügen.

Wie verändert die Röstung den Säuregehalt und das Geschmacksempfinden?

Helle Röstungen behalten mehr fruchtige und florale Säuren, dunklere Profile bauen viele dieser Säuren ab und entwickeln eher bittere, röstige Noten. Chemisch sinkt die Konzentration bestimmter Säuren mit zunehmender Rösttiefe.

Welche Zubereitungsfaktoren machen einen Kaffee saurer oder weniger sauer?

Mahlgrad, Wassertemperatur, Brühzeit und Extraktionsgrad bestimmen die Freisetzung von Säuren. Feiner Mahlgrad, höhere Temperatur und kürzere Extraktionszeiten können saftigere, intensivere Säuren liefern; längere Extraktion bringt mehr Bitterkeit.

Wie misst du den pH-Wert praktisch zuhause oder im Labor?

Du kannst ein digitales pH-Messgerät oder spezielle Teststreifen verwenden. Präzise Messung erfordert saubere Proben, kalibrierte Geräte und konstante Temperatur. Für Röster und Baristas bieten spezialisierte Messgeräte verlässliche Ergebnisse.

Was sagen TDS/Brix und Wasserhärte über die Extraktion und Säure aus?

TDS zeigt gelöste Feststoffe im Getränk; ein höherer Wert bedeutet konzentriertere Extraktion. Wasserhärte beeinflusst die Löslichkeit von Säuren und Bitterstoffen. Beide Messgrößen helfen dir, Brühparameter gezielt anzupassen.

Beeinflusst Kaffee den Säure-Basen-Haushalt deines Körpers?

Der Gesamteffekt auf den PRAL-Wert ist gering; Kaffee gilt insgesamt nicht als stark säurebildend für den Organismus. Beschwerden wie Reflux hängen oft von individuellen Empfindlichkeiten und Röstprofilen ab, nicht allein vom pH der Tasse.

Welche Kaffees und Röstprofile sind magenfreundlicher?

Milder geröstete Bohnen mit stabiler Extraktion und basischeren Wässern reduzieren oft das Reflux-Risiko. Dunklere, stärker geröstete Sorten können weniger Säure schmecken, bei individuell empfindlichem Magen helfen entkoffeinierte oder speziell auf Verträglichkeit getestete Mischungen.

Kannst du die Säure gezielt steuern, wenn du zu Hause brühst?

Ja. Achte auf Wasserqualität, wähle geeignete Bohnen und variiere Mahlgrad, Temperatur und Brühzeit. Kleinere Anpassungen — etwas gröber mahlen, etwas kühleres Wasser oder längere Bloom-Zeit — verändern die Säurewahrnehmung deutlich.

Welche Messgeräte sind empfehlenswert für den Einsatz in Cafés oder Röstereien?

Zuverlässige digitale pH-Meter und spezialisierte Geräte für TDS/Brix sind sinnvoll. Marken und Modelle variieren; wichtig sind Kalibrierbarkeit, Stabilität und einfache Handhabung. Investiere in regelmäßige Kalibrierung für valide Daten.

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